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Nr.4 Und Gott machte das Firmament  |  Nr.5 Mit Staunen sieht das Wunderwerk
sujet Tag 2
2. Bild / 2. Tag

Nr. 4
RAPHAEL (BASS): REZITATIV
Und Gott machte das Firmament, und theilte die Wasser, die unter dem
Firmament waren, von den Gewässern, die ober dem Firmament waren,
und es ward so.
Mit Begleitung:
Da tobten brausend heftige Stürme;
Wie Spreu vor dem Winde, so flogen die Wolken.
Die Luft durchschnitten feurige Blitze,
Und schrecklich rollten die Donner umher.
Der Fluth entstieg auf sein Geheiß
Der all erquickende Regen,
Der all verheerende Schauer,
Der leichte, flockige Schnee.

2. Bild / 2. Tag

Nr. 4
RAPHAEL (BASS): REZITATIV
Und Gott machte das Firmament

Besetzung:
B; 2 Fl, 2 Ob, 2 Klt, 2 Fg, (Kfg, Pos 3), Pk, Str
Allegro assai

Der zweite Auftritt oder das zweite Bild entspricht dem zweiten Schöpfungstag: Gott schafft ein festes, durchsichtiges Gewölbe, das Firmament. Es trennt die Gewässer in solche, die darüber, und solche, die darunter sind. Laut Gen. I. 8, einem nicht übernommenen Vers, nennt Gott das Firmament »Himmel«. Da das Geschehen des zweiten Tages für eine musikalische Darstellung nicht ausreicht, zieht der Textdichter Bilder anderer Bibelstellen heran und beschreibt im einzelnen diejenigen Naturerscheinungen, die mit den oberen Gewässern – dem blauen Himmelsozean als dem Vorrat aller Niederschläge – in Verbindung stehen: Stürme, Wolken, Blitz, Donner, Regen, Hagelschauer, Schnee, wobei er auch Bilder aus Miltons Beschreibung des Chaos und der Verschlechterung des Wetters nach dem Sündenfall benutzt. Am Schluss des Auftritts staunen die Engel, »der Himmelsbürger frohe Schaar«, über das am zweiten Tag Geschaffene und loben Gott (Nr. 5). Man hat in dem Ausdruck »Himmelsbürger« einen jakobinischen Anklang an den revolutionären »citoyen« bemerken wollen. Aber es handelt sich um eine Übersetzung des alten christlichen Ausdrucks »coeli cives«. Der Kontrast von kräftigen und zarten Stimmungen ist fein ausgewogen. Jedes Bild ist trotz seiner Kürze ein differenziertes; zum Beispiel hört man beim Donner im Vordergrund drei f-Ausbrüche der Streicher und Bläser, im Hintergrund einen vom p zum ff crescendierenden Paukenwirbel, bis sich im vierten Takt alle Instrumente zum ff vereinen. Bei dem triolischen Rhythmus des Regens liefen in den zweiten Violinen die staccatierten Dreiklangsarpeggien ursprünglich weiter, auch in T. 28 und 30, wo die ersten Violinen eine fallende Skala bringt; in der definitiven Fassung weichen sie von ihren Arpeggien ab, schließen sie sich dieser Skala in Terzen an und unterstreichen so die Differenzierung. Die Modulationen führen zur Dominante G-Dur mit Fermate, worauf
unmittelbar die Tonika C-Dur von Nr. 5 folgt. Damit fasst Haydn Nr. 4 und 5 musikalisch zu einem Bild zusammen.

Quelle: FEDER, Georg: Joseph Haydn Die Schöpfung (Kassel 1999), Verlag Bärenreiter


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