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Nr.6 Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser  |  Nr.7 Rollend in schäumenden Wellen  |  Nr.8 Und Gott sprach: Es bringe die Erde Gras hervor
Nr.9 Nun beut die Flur das frische Grün  |  Nr.10 Und die himmlischen Heerscharen  |  Nr.11 Stimmt an die Saiten
sujet Tag 3
Nr. 11
CHOR
Stimmt an die Saiten, ergreift die Leyer!
Laßt euer Lobgesang erschallen!
Frohlocket dem Herrn, dem mächtigen Gott!
Denn er hat Himmel und Erde bekleidet
In herrlicher Pracht.

Nr. 11
CHOR
Stimmt an die Saiten

Besetzung:
Chor; 2 Fl, 2 Ob, 2 Fg, Kfg, 2 Hrn, 2 Tr, Pk, 3 Pos, Str – D-Dur
Vivace

Der erste selbständige Chor in diesem Werk, ein Preislied im Stile Händels und dennoch von echt Haydnscher Art, setzt in der brillant zu dem B-Dur der vorangegangenen Arie kontrastierenden Tonart D-Dur ohne Orchesterbegleitung ein, denn er fordert ja auf: »Stimmt an die Saiten«, was die Streicher anschließend auch tun, und danach: »ergreift die Leier«, wodurch sich die Bläser angesprochen fühlen. Nach den vorausgegangenen homophonen Chorsätzen ist er der erste mit einer Fuge (ohne dass Swieten dies in seinen Anmerkungen empfohlen hätte). Oratorisch musterhaft ist der Hochton auf »Himmel« und der Tiefton auf »Erde«. Durch Gegenstimmen in der Instrumentalbegleitung verstärkt Haydn die Polyphonie von Anfang an. In T. 19–22 erscheint die erste Engführung; sie erfolgt im Abstand eines Taktes. Ab T. 23 erscheint das Thema in Augmentation; Haydn augmentiert nur die Anfangsnoten und erreicht damit die Wirkung, die er erstrebt, ohne die Kürze und Bündigkeit zu opfern, die zu den Schönheiten dieses Chors zählen. In T. 37 beginnt die zweite Engführung, jetzt in dem kleinen Abstand eines Viertels, und in T. 40 der übliche Dominant-Orgelpunkt. Die Trompeten und Pauken, die in der Einleitung mitwirken und in der Fuge schweigen, setzen nach deren Ende, auf dem Wort »Pracht«, mit dem übrigen Orchester wieder ein (T. 42). Gleichzeitig wird der Orgelpunkt in arpeggierende Figuren aufgelöst, die in allen Streichern in einem machtvollen Unisono erklingen und mit fanfarenartigen Rhythmen abbrechen, während der Chor mit einer Fermate auf dem Dominantseptakkord die Zäsur kunstvoll überbrückt (T. 47). Die Wirkung ist groß, wenn der Kunstgriff nicht durch Missachtung der Fermate oder ein falsches Ritardando vor oder eine falsche Pause nach der Fermate banalisiert wird.

Quelle: FEDER, Georg: Joseph Haydn Die Schöpfung (Kassel 1999), Verlag Bärenreiter

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