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Nr.12 Und Gott sprach: Es sein Lichter an der Feste des Himmels  |  Nr.13 In vollem Glanze steiget jetzt die Sonne  |  Nr.14 Die Himmel erzählen die Ehre Gottes
sujet Tag 4
6. Bild / 4. Tag

Nr. 12
URIEL (TENOR): REZITATIV
Und Gott sprach: Es seyn Lichter an der Feste des Himmels, um den Tag
von der Nacht zu scheiden, und Licht auf der Erde zu geben; und es seyn
diese für Zeichen und für Zeiten, und für Tage, und für Jahre. Er machte
die Sterne gleichfalls.

6. Bild / 4. Tag
Der vierte Auftritt oder das sechste Bild entspricht dem vierten Tag. In Nr. 12 wird in Anlehnung an Gen. I. 14–16 davon berichtet, dass Gott Sonne, Mond und Sterne erschafft, und zwar als besondere Lichter für Tag und Nacht und als Merkzeichen für die Zählung der Tage und Jahre und für die Bestimmung der Festzeiten. In Miltons Sicht wird das am ersten Tag erschaffene Licht nun auf die neu geschaffenen Himmelskörper verteilt. Die Verse Gen. I. 17–18 bleiben weg: »Und Gott setzt sie an die Feste des Himmels, dass sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten, und scheideten Licht und Finsternis. Und Gott sahe, dass es gut war.« Stattdessen folgt in dem Rezitativ Nr. 13 mit seiner Beschreibung der Erschaffung der Sonne eine Paraphrase von Versen aus Psalm 19. Ebenso wie bei der Erschaffung des Lichts in Nr. 1 liegt auch bei dem Sonnenaufgang in Nr. 13 eine weltanschauliche Deutung nahe: im Sinne der einen Sonnenaufgang zeigenden Radierung »Aufklärung« (1791/92) von Daniel Chodowiecki und der Worte in der Zauberflöte: »Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht, zernichten der Heuchler erschlichene Macht« (am Schluss) oder »Bald prangt, den Morgen zu verkünden, die Sonn auf goldner Bahn, bald soll der Aberglaube schwinden, bald siegt der weise Mann«. Eine Art Bestätigung dieser Deutung bot eine Aufführung des ersten Teils der Schöpfung mit neuem Text am 4. XII. 1809 zur Feier des Leipziger Universitätsjubiläums; in Nr. 13 sang man: »Im vollen Glanze ging der sonnenstrahlende Leibniz auf«, während der anschließend wandelnde Mond mit Gellert verglichen wurde. Zum Schluss des vierten Tags singen die Engel davon, dass die Himmel, das Firmament, die Tage und die Nächte Gott rühmen (Nr. 14). Dieser Text schöpft weiterhin aus Psalm 19 (»Die Himmel erzählen die Ehre Gottes«), wie dies schon Gellerts Lied »Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre« tat, das in Beethovens Vertonung (1803) allbekannt ist. Hinter dem Bild des Psalmisten von dem verschwundenen Tag, der dem kommenden Tag, und von der verschwundenen Nacht, die der folgenden Nacht Gottes Lob berichtet, steht die biblische Vorstellung, dass Licht und Finsternis an zwei verschiedenen, unbekannten Orten wohnen, wohin sie täglich verschwinden und woher sie täglich wiederkommen: »Welches ist der Weg, da das Licht wohnet, und welches sei der Finsternis Stätt?«, fragt Jahwe den unwissenden Hiob (XXXVIII. 19).

Nr. 12
URIEL (TENOR): REZITATIV
Und Gott sprach: Es seyn Lichter

Die verhältnismäßig lange, betonte Note auf dem unwichtigen vierten Wort »Es« hält ein Herausgeber des Werkes, Eusebius Mandyczewski, für einen Flüchtigkeitsfehler der Deklamation. Man kann darin aber auch eine besondere Feierlichkeit empfinden.

Quelle: FEDER, Georg: Joseph Haydn Die Schöpfung (Kassel 1999), Verlag Bärenreiter


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