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Nr.15 Und Gott sprach: Es bringe das Wasser  |  Nr.16 Auf starkem Fittiche schwinget sich der Adler  |  Nr.17 Und Gott schuf große Walfische
Nr.18 Und die Engel rührten ihr' unsterblichen Harfen  |  Nr.19 In holder Anmut stehn  |  Nr.20 Der Herr ist groß in seiner Macht
sujet Tag 5
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Nr. 17
RAPHAEL (BASS): REZITATIV
Und Gott schuf große Wallfische und ein jedes lebende Geschöpf, das sich
beweget, und Gott segnete sie, sprechend:
Nach dem Zeitmasse. (a tempo) [mit Begleitung]:
Seyd fruchtbar alle, mehret euch!
Bewohner der Luft, vermehret euch,
Und singt auf jedem Aste!
Mehret euch, ihr Fluthenbewohner,
Und füllet jede Tiefe!
Seyd fruchtbar, wachset, mehret euch!
Erfreuet euch in eurem Gott!

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Nr. 17 zitiert zunächst gekürzt den Vers Gen. I. 21, der besonders den Walfisch nennt, und paraphrasiert in dem anschließenden begleiteten Rezitativ Gottes Fruchtbarkeitsgebot (Gen. I. 22). In dem Terzett Nr. 19 besingen die Erzengel in teilweiser Anlehnung an Psalm 104 und Milton »die Wunder des fünften Tags« (Rezitativ Nr. 18). Manche mögen es unlogisch finden, dass dabei noch einmal von Dingen gesprochen wird, die an den vorangegangenen Schöpfungstagen entstanden waren und bereits beschrieben wurden (Grün, Hügel, Bach). Doch trägt diese Wiederholung zu dem Naturgefühl bei, das die Schöpfung durchwaltet. In Nr. 20 loben alle Engel Gottes Größe.

Nr. 17
RAPHAEL (BASS): REZITATIV
Und Gott schuf große Wallfische

Besetzung:
Ab T. 6 (a tempo): B; Va 1, 2, Vc 1, 2, Kb – d-Moll (ohne Generalvorzeichnung)
Poco Adagio

Bei dem »a tempo«-Abschnitt wollte sich Haydn offenbar zunächst nach Swietens Empfehlung richten: »Hier scheint, dass die bloße Begleitung des nach einem graden Rhythmus sich feyerlich bewegenden Basses gute Wirkung machen würde.« Das zeigen die ersten, textlosen Entwürfe, die außer der Singstimme nur den Instrumentalbaß enthalten. Haydn hat in den ersten Aufführungen an der Zweistimmigkeit von Singstimme und Instrumentalbaß festgehalten und nur Kleinigkeiten geändert, wie die frühesten Partiturabschriften zeigen. Bald jedoch wuchs die Begleitung an. Zuerst kamen zwei Stimmen für Violoncello 1 und 2 hinzu, mit anderer Stimmführung als in der definitiven. Dann änderte Haydn die beiden Violoncello-Stimmen so, dass ein perfekter Triosatz entstand, und verbesserte in der Singstimme die matte Note e auf »Luft« zu einem emphatischen c’. Zur definitiven Fassung gehören auch zwei Viola-Stimmen. Diese Fassung erfuhr vor dem Druck ihre letzte Korrektur: Im Kontrabass wurden in den ersten Takten die Töne eine Oktave tiefergelegt (in den folgenden Takten standen sie von Anfang an in der großen Oktave). Obwohl es Kontrabässe mit Kontra-C-Saite gab und gibt, sind in späteren Ausgaben die Noten als angeblich zu tief wieder eine Oktave höher gelegt worden, zum Nachteil der von Haydn beabsichtigten Wirkung. Der Klang der fünf tiefen, bis auf den Kontrabass (der in einigen der ältesten Stimmenabschriften im ersten Takt sogar Staccato-Zeichen aufweist) legato spielenden Streicherstimmen kontrastiert stark gegen die hohen Klänge der vorangegangenen Sopranarie. Haydn kombiniert ihn mit dem kontrapunktischen Stil, der beim ersten Vortrag der Worte »Erfreuet euch in eurem Gott!« auf »Gott« mit einem verminderten Septakkord abbricht, um bei deren zweitem Vortrag einer erhabenen, tiefernsten Kadenz in d-Moll Platz zu machen. Beethoven hat den von dieser unvergesslichen Stelle empfangenen Klangeindruck in der ebenfalls für zwei Bratschen, zwei Violoncelli und Kontrabass gesetzten Einleitung zu dem Quartett »Mir ist so wunder- bar« im Fidelio auf seine Weise umgesetzt.

Quelle: FEDER, Georg: Joseph Haydn Die Schöpfung (Kassel 1999), Verlag Bärenreiter


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