1.TAG | 2.TAG | 3.TAG | 4.TAG | 5.TAG | 6.TAG Alle Tiere des Landes, den Menschen | 7.TAG
Nr.21 Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor  |  Nr.22 Gleich öffnet sich der Erde Schoss  |  Nr.23 Nun scheint in vollem Glanze der Himmel
Nr.24 Und Gott schuf den Menschen  |  Nr.25 Mit Würd' und Hoheit angethan  |  Nr.26 Und Gott sah jedes Ding
Nr.27 Vollendet ist das große Werk (I)  |  Nr.28 Zu dir, o Herr, blickt alles auf  |  Nr.29 Vollendet ist das große Werk (II)
sujet Tag 6
Nr. 25
URIEL (TENOR): ARIE
Mit Würd’ und Hoheit angethan,
Mit Schönheit, Stärk’ und Muth
begabt,
Gen Himmel aufgerichtet, steht
Der Mensch,
Ein Mann, und König der Natur.
Die breit gewölbt’ erhab’ne Stirn
Verkünd’t der Weisheit tiefen Sinn,
Und aus dem hellen Blicke strahlt
Der Geist,
Des Schöpfers Hauch und Ebenbild.
An seinen Busen schmieget sich,
Für ihn, aus ihm geformt,
Die Gattinn hold und anmuthsvoll.
In froher Unschuld lächelt sie,
Des Frühlings reitzend Bild,
Ihm Liebe, Glück und Wonne zu.

Nr. 25
URIEL (TENOR): ARIE
Mit Würd’ und Hoheit angethan

Besetzung:
T; 2 Fl, 2 Ob, 2 Fg, 2 Hrn, 2 Tr, Pk, Str – C-Dur
Andante


Wenn man aus der Schöpfung ein einziges Stück nennen sollte, in dem sich ihr Wesen am besten ausspricht, dann müsste es, wenn nicht der Chor Nr. 14 (»Die Himmel erzählen«), diese Arie sein. Der »pathetische« Teil beginnt mit einer Melodie, die einer 1910 aufgezeichneten Burgenländischen Fassung des Volksliedes »Es steht ein Baum im tiefen Tal« ähnelt. Hat Haydn das Lied gekannt, oder ist es in dieser Fassung jünger und eine Reminiszenz an die Schöpfung? Dem »hellen Blicke« entspricht eine in wechselnden Akkorden arpeggierende Figur der Flöte in hoher Lage. Swietens Hervorhebung der Worte »der Mensch« und »der Geist« hat Haydn nicht nachvollzogen, sondern die melodischen Höhepunkte auf »König der Natur« und »des Schöpfers Hauch« gebracht. Bei der Wiederholung der Worte »des Schöpfers Hauch« verwandelt er die Note Ais des ersten Vortrags (T. 37) enharmonisch zu B (T. 48) und moduliert pp von G-Dur nach As-Dur. In dem »zärtlichen«, der Frau zugewandten zweiten Teil (T. 56ff.) fallen die lärmenden Trompeten und Pauken weg, und es überwiegen die »weiblichen« Endungen statt der »männlichen« Schlüsse des ersten Teils. Den Worten »aus ihm geformt« musikalisch entsprechend, beginnt Haydn so, als wolle er die Takte 12ff. wiederholen, schlägt dann aber andere Bahnen ein: Vor und zu den Worten »In froher Unschuld lächelt sie« erklingt in den Hörnern als Symbol ländlicher Idylle ein dudelsackartiger Bordun, ein tiefes C, über dem sich Tonika- und Dominantharmonien wiegen. Vor den Worten »des Frühlings reitzend Bild« wandelt sich das C zu Cis als Stütze eines in die Höhe entschwebenden A-Dur-Quintsextakkordes, der eine Folge wechselnder Harmonien einleitet. Vor und während des Vortrags der Worte »Liebe, Glück« löst sich dann das Violoncello und spielt, unterstützt vom Pizzicato des Kontrabasses, eine mit dem Tenor duettierende Melodie, auf deren Zärtlichkeit Michael Haydn anspielte, als er einen Brief an Neukomm mit den Worten unterschrieb: »Gedenke meiner in Liebe aus der Schöpfung mit dem obl.[igaten] Violoncello«. Bei der Wiederholung dieses Konzertierens (T. 87ff.) fügen die ersten Violinen Figuren in Sechzehntelnoten hinzu. Die Arie verebbt im pp.

Quelle: FEDER, Georg: Joseph Haydn Die Schöpfung (Kassel 1999), Verlag Bärenreiter

X
button 1button 4button 3

Partitur als Bilder Partitur ansehen
alte Partitur als Bild Erstdruck ansehen