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Nr.21 Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor  |  Nr.22 Gleich öffnet sich der Erde Schoss  |  Nr.23 Nun scheint in vollem Glanze der Himmel
Nr.24 Und Gott schuf den Menschen  |  Nr.25 Mit Würd' und Hoheit angethan  |  Nr.26 Und Gott sah jedes Ding
Nr.27 Vollendet ist das große Werk (I)  |  Nr.28 Zu dir, o Herr, blickt alles auf  |  Nr.29 Vollendet ist das große Werk (II)
sujet Tag 6
Nr. 28
TERZETT
GABRIEL (SOPRAN), URIEL (TENOR):
Zu dir, o Herr, blickt alles auf;
Um Speise fleht dich alles an.
Du öffnest deine Hand,
Gesättigt werden sie.
RAPHAEL (BASS):
Du wendest ab dein Angesicht;
Da bebet alles und erstarrt.
Du nimmst den Odem weg;
In Staub zerfallen sie.
GABRIEL, URIEL, RAPHAEL:
Den Odem hauchst du wieder aus,
Und neues Leben sproßt hervor.
Verjüngt ist die Gestalt
Der Erd’ an Reitz und Kraft.

Nr. 28
TERZETT
GABRIEL (SOPRAN), URIEL (TENOR):
Zu dir, o Herr, blickt alles auf

Besetzung:
S, T, B; Fl, Ob, 2 Klt, 2 Fg, (Kfg), 2 Hrn, Str – Es-Dur
Poco Adagio 3/4

Zur Einleitung und als Begleitung des feierlichen Terzetts, das als Duett von Sopran und Tenor beginnt, hören wir erstmals reine Bläsermusik. Zelter rühmt den »vortrefflichen Fluss« der Blasinstrumente und empfiehlt ihn angehenden Komponisten als Muster. Manche fühlen sich wohl an Musik aus Mozarts Zauberflöte erinnert; das Terzett der drei Knaben »Bald prangt, den Morgen zu verkünden« wird nämlich ebenfalls mit Bläserklängen in Es-Dur eingeleitet, und eine Melodiewendung weist mit zwei Stellen von Haydns Komposition (T. 11/12 und 68/69) fast völlige Übereinstimmung auf: Mit diesem Klang kontrastiert der Einsatz der tiefen Streicher, die »senza Cembalo« (ohne Tasteninstrument) durch anderthalb Oktaven nach es-Moll hinabsteigen, um das ernste Basssolo über die Worte »Du wendest ab dein Angesicht« zu begleiten. Danach »erstarrt« der Streicherklang in kurzen, von Pausen unterbrochenen Tremoli in Ges-Dur. Bei den Worten »Du nimmst den Odem weg« berührt die Modulation das bei Haydn vielleicht einmalige ces-Moll, bevor in T. 57 die drei Solisten sich vereinigen
und nach einem Halbschluß in B-Dur nach Es-Dur und zum Anfangsthema zurückkehren, das nun mit den Worten »und neues Leben sproßt hervor« erklingt. Auch die Bläser kehren wieder und vereinigen sich danach (ab T. 70) mit den Streichern, während die drei Solisten in Figuren von Sechzehntelnoten miteinander »verjüngt« zu konzertieren beginnen. Haydn lässt in dieser Szene »den Hörer gleichsam mitempfindend erstarren, bald schwer, und bald wieder frei athmen« (Gottfried Weber). Das Wechselspiel von Bläserklang und gemischtem Klang wiederholt sich (T. 77 und 85) und vertieft die lyrische Stimmung. Am Schluss modulieren die Streicher zügig zur Dominante von B-Dur, womit der attacca-Einatz des abschließenden Chores vorbereitet wird.

Quelle: FEDER, Georg: Joseph Haydn Die Schöpfung (Kassel 1999), Verlag Bärenreiter

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