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Nr.21 Und Gott sprach: Es bringe die Erde hervor  |  Nr.22 Gleich öffnet sich der Erde Schoss  |  Nr.23 Nun scheint in vollem Glanze der Himmel
Nr.24 Und Gott schuf den Menschen  |  Nr.25 Mit Würd' und Hoheit angethan  |  Nr.26 Und Gott sah jedes Ding
Nr.27 Vollendet ist das große Werk (I)  |  Nr.28 Zu dir, o Herr, blickt alles auf  |  Nr.29 Vollendet ist das große Werk (II)
sujet Tag 6
Nr. 29
CHOR
ALLE:
Vollendet ist das große Werk.
Des Herren Lob sey unser Lied!
Alles lobe seinen Nahmen;
Denn er allein ist hoch erhaben,
Alleluja!

Nr. 29
CHOR
ALLE:
Vollendet ist das große Werk (II)

Besetzung:
Chor, volles Orchester – B-Dur
Vivace

Der zweite Chorsatz beginnt als Wiederholung des ersten (Nr. 27) und setzt sich in Übereinstimmung mit Swietens Empfehlung: »Auf alles lobe etc. eine Fuge, wenn man will«, als »majestätische Doppelfuge« fort. Die Fugenexposition vervollständigt sich mit dem Einsatz von Sopran und Alt, wobei das zweite Thema unter statt wie anfangs über dem ersten liegt (T. 12 und 13). Dann greifen Tenor und Bass eine schon in T. 3–4 angekündigte Technik auf und bringen das erste Thema zweistimmig in Terzen (T. 16). Nach verschiedenen Engführungen des ersten und des zweiten Themas setzt das erste Thema dreistimmig ein, zuerst als Sextakkordkette im Fauxbourdon-Stil (T. 44), dann mit zusätzlich darüber gelegtem Halteton des Soprans (T. 48), schließlich einstimmig, aber gleichzeitig mit seiner zweistimmigen Umkehrung (T. 52). All diese Kontrapunktik wird nie zum Selbstzweck, sondern dient nur dem ekstatischen Ausdruck des Gotteslobs. Mit langem Atem steigert Haydn die Spannung bis zu einem Dominant-Orgelpunkt (T. 63–66), dem nach kadenzierenden Akkorden (T. 67) ein scheinbar abschließender Orgelpunkt auf der Tonika folgt (T. 68–71). Aber Dissonanzen halten die Spannung aufrecht, bis sich die Harmonik mit kräftigen, an die Schlusstakte von Händels Messias erinnernden Bassschritten von B abwärts nach As und G zu dem Sextakkord der Subdominante wendet (T. 72), um nach kurzer Generalpause die endgültigen Kadenzakkorde folgen zu lassen, in atemlos stockenden Achtelnoten, während gleichzeitig die Pauken mit triumphierenden Rhythmen und Wirbeln in den Vordergrund treten.

Quelle: FEDER, Georg: Joseph Haydn Die Schöpfung (Kassel 1999), Verlag Bärenreiter


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