1.TAG | 2.TAG | 3.TAG | 4.TAG | 5.TAG | 6.TAG | 7.TAG Adam und Eva
Nr.30 Aus Rosenwolken bricht  |  Nr.31 Von deiner Gut, o Herr und Gott  |  Nr.32 Nun ist die erste Pflicht erfüllt
Nr.33 Holde Gattin, dir zur Seite  |  Nr.34 O glücklich Paar, und glücklich immerfort  |  Nr.35 Singt dem Herren alle Stimmen!
sujet Tag 7
13. Bild
Nr. 32
REZITATIV
ADAM:
Nun ist die erste Pflicht erfüllt;
Dem Schöpfer haben wir gedankt.
Nun folge mir, Gefährtinn meines Lebens!
Ich leite dich, und jeder Schritt
Weckt neue Freud’ in uns’rer Brust,
Zeigt Wunder überall.
Erkennen sollst du dann,
Welch’ unausprechlich Glück
Der Herr uns zugedacht,
Ihn preisen immerdar,
Ihm weihen Herz und Sinn.
Komm, folge mir! Ich leite dich.
EVA:
O du, für den ich ward!
Mein Schirm, mein Schild, mein All!
Dein Will’ ist mir Gesetz.
So hat’s der Herr bestimmt,
Und dir gehorchen bringt
Mir Freude, Glück und Ruhm.

13. Bild
Der dem dreizehnten Bild entsprechende dritte Auftritt dieses Teils – der einzige im ganzen Werk ohne Engel – folgt Miltons Schilderung von dem noch ungetrübten irdischen Glück des ersten Menschenpaares. Milton legt die von einer ganz patriarchalischen Auffassung der Geschlechterrollen geprägten Worte Eva in den Mund; die Aufteilung auf Adam und Eva durch den Textdichter der Schöpfung sollte ein Duett ermöglichen.

Nr. 32
REZITATIV
ADAM:
Nun ist die erste Pflicht erfüllt

Das einzige längere Secco-Rezitativ in der Schöpfung (39 Takte) ist zugleich das einzige mit einem Dialog: Die erste Hälfte wird von Adam, die zweite von Eva gesungen. Mit welcher Sorgfalt Haydn an der Deklamation arbeitete, sehen wir daran, dass ihm für die Anfangstakte selbst fünf Skizzen nicht ausreichten; erst die Partitur bringt die definitive Version mit ihrem so natürlich erscheinenden Aufschwung bei den Worten »dem Schöpfer«. Nach den Worten »dem Schöpfer haben wir gedankt« wird im Instrumentalbass das Orchesterthema von Nr. 27 und 29 zitiert, um an diese frommen Lob- und Dankchöre zu erinnern. Die »Freud’ in uns’rer Brust« bleibt also mit ernster Frömmigkeit verbunden, was auch durch die Wendung nach f-Moll und – bei den anschließenden Worten »zeigt Wunder« – durch den verminderten Septakkord zum Ausdruck kommt. Die weihevollen Modulationen und rührend einfachen kleinen Zwischenspiele der Streichbässe und des Klaviers in Evas sanfter, zum Schluss von einer freudigen Tirade gekrönten Antwort führen von Ges-Dur nach Es-Dur, der Tonart des folgenden Duetts.

Quelle: FEDER, Georg: Joseph Haydn Die Schöpfung (Kassel 1999), Verlag Bärenreiter


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