1.TAG | 2.TAG | 3.TAG | 4.TAG | 5.TAG | 6.TAG | 7.TAG Adam und Eva
Nr.30 Aus Rosenwolken bricht  |  Nr.31 Von deiner Gut, o Herr und Gott  |  Nr.32 Nun ist die erste Pflicht erfüllt
Nr.33 Holde Gattin, dir zur Seite  |  Nr.34 O glücklich Paar, und glücklich immerfort  |  Nr.35 Singt dem Herren alle Stimmen!
sujet Tag 7
Nr. 37
CHOR MIT SOLI (S, A, T, B)
Singt dem Herren, alle Stimmen!
Dankt ihm, alle seine Werke!
Laßt zu Ehren seines Nahmens
Lob im Wettgesang erschallen!
Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit.
Amen.

Nr. 35
CHOR MIT SOLI (S, A, T, B)
Singt dem Herren, alle Stimmen

Besetzung:
S, A, T, B, Chor; volles Orchester – B-Dur
Andante; T. 10 (Fuge): Allegro

Die Einleitung des Schlusschors beginnt auf die einfachste, aber eine bis zu diesem Moment aufgesparte Weise: Chor und Orchester setzen vollstimmig, gleichzeitig und volltaktig zu ihrer letzten Kraftanspannung ein. Dann folgt gemäß Swietens Empfehlung »auf den lezten Vers und das Amen könnte eine Fuge, als Wettgesang, Statt haben« eine Doppelfuge: Das erste Thema erklingt zu den Worten »Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit«, das zweite, mit dem ersten kontrapunktierend, zu »Amen«. Die Skizzen veranschaulichen Haydns Suchen nach der endgültigen Form. Zunächst wollte er eine Fuge mit nur einem Thema schreiben, wie aus der ersten Skizze hervorgeht, in der das von der endgültigen Gestalt durch etwas schärfere Konturen abweichende Thema sich einmal mit einem Kontrapunkt fortsetzt, der das zweite Thema schon ahnen lässt. Eine weitere Teilskizze zeigt das Thema in seiner definitiven Form mit der entspannten mixolydischen Septe As und einmal auch mitsamt dem zweiten Thema. Aber nach der kunstvollen B-Dur-Doppelfuge des zweiten Teils wollte Haydn neue Wege gehen. Deshalb verwarf er eine Stelle, an der er das erste Thema in Umkehrung eingeführt hatte. Dafür geht er in einem anderen Punkte über den Schlusschor des zweiten Teils hinaus: Die Idee des Wettgesangs aufgreifend, den Swieten sogar im Text anspricht, obwohl das Wort im englischen Text fehlt, lässt Haydn den Chor schon im zweiten Thema und dann hin und wieder im konzertierenden Wechsel mit den drei Solisten, denen sich in einigen Takten ein Solo-Alt zugesellt, in Koloraturen frohlocken. Da das Textbuch die Mitwirkung der drei Erzengel oder des ersten Menschenpaares nicht vorsieht, führt Haydn vier namenlose, wie in seinen Messen und den Sieben Worten gewissermaßen aus dem Chor hervortretende Solostimmen ein. Vielleicht um die gesangstechnischen Schwierigkeiten in Grenzen zu halten, gestaltet er einen größeren Abschnitt (T. 44–54) für den Chor (nicht für das Orchester) als Wiederholung eines früheren (T. 10–20), weshalb Ochs vorschlug, längere Passagen zu streichen. Aber solche Kürzungen nähmen dem Stück viel von seiner Größe und raubten ihm weitgehend die Idee des Wettgesangs. Der Wettgesang erreicht, wenn die Fuge auf hohem Spannungsniveau geendet hat (T. 60), seinen Gipfel in einem Alternieren schwereloser Koloraturen der Solisten mit monumentalen akkordischen Exklamationen des Chores. Es folgt eine letzte Steigerung der Dynamik und Harmonik auf dem Wort »Ewigkeit« (T. 70ff.). Dann wetteifert der Chor in erneuten Exklamationen mit dem die Koloraturen fortführenden Orchester und vereinigt sich schließlich mit den Orchesterbässen zu einem lapidaren Unisono-Vortrag des Themas. Unmittelbar darauf erklingen die kurzen Akkordschläge, »die dieses göttliche Oratorium beenden« und den Hörer »versunken in heiliger Ehrfurcht vor der Erhabenheit des Werkes zurücklassen, das schöpferische Kraft [Genius] zu planen und auszuführen wagte«.

Quelle: FEDER, Georg: Joseph Haydn Die Schöpfung (Kassel 1999), Verlag Bärenreiter

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