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Joseph Haydn war nach seinem Hinauswurf aus dem Kapellhaus ohne Unterkunft und Einkommen. Seine Eltern versuchten ihn erneut zu überreden, in den geistlichen Stand einzutreten, jedoch ohne Erfolg. 1751 fand er ein armseliges Dachstübchen ohne Ofen im sogenannten Michaelerhaus, das noch heute neben der St. Michaelskirche gegenüber der Hofburg steht. In den folgenden Jahren lebte Haydn vor allem vom Stundengeben und Korrepetieren. Für jährlich 60 Gulden wurde er Vorspieler bei den Barmherzigen Brüdern in der Leopoldstadt, wo er jeden Sonn- und Feiertag um acht Uhr morgens die Messe spielte. Um zehn Uhr spielte er in der gräflich Haugwitz'schen Kapelle, und um 11 Uhr sang er in der Stephanskirche für 17 Kreuzer eine Messe.

Im Michaelerhaus in Wien wohnten zwei Persönlichkeiten, die maßgeblich an Haydns künstlerischem Werdegang beteiligt waren: der Hofdichter Pietro Metastasio (1698-1782), bei dem Haydn die italienische Sprache lernte, und der Opernkomponist und Gesangslehrer Nicola Antonio Porpora (1686-1768). Haydn durfte Porporas Gesangsschüler am Klavier begleiten und war zeitweilig auch sein Kammerdiener. Er bekannte gegenüber seinem Biographen Griesinger, daß er "bey Porpora im Gesange, in der Komposition und in der italienischen Sprache sehr viel profitirte". Im ersten Stock des Michaelerhauses lebte damals die verwitwete Fürstin Maria Octavia Esterházy (1683-1762), die Mutter der Fürsten Paul Anton und Nikolaus, deren Kapellmeister Joseph Haydn später sein sollte.

Für Baron Karl Joseph von Fürnberg schrieb Haydn seine ersten Streichquartette, die sehr schnell populär wurden. Es waren die ersten Werke, die im Ausland - in Paris 1764 - gedruckt wurden, allerdings ohne Wissen des Komponisten. Die Aufenthalte Haydns in Weinzierl, wo Baron Fürnberg ein Schloß besaß, und die frühen Streichquartette stellen den Auftakt zu seiner Anstellung als Musikdirektor beim Grafen Morzin dar. Um 1758/59 wurde Haydn von Karl Joseph Franz Graf Morzin (1717-1783?) für jährlich 200 Gulden sowie Kost und Quartier als Kapellmeister angestellt. Unter den Kompositionen, die für Morzin geschrieben wurden, war neben Haydns erster Symphonie eine Anzahl Divertimenti für Bläser, meist für zwei Oboen, Hörner und Fagotte.

Am 26. November 1760 heiratete Haydn vermutlich aus Dankbarkeit und aufgrund der mehrjährigen Vertrautheit mit der Familie die älteste Tochter des Wiener Perückenmachers Keller, Maria Anna Aloysia (1729-1800). Haydn dürfte in die jüngste Tochter Therese verliebt gewesen sein; diese ging jedoch ins Kloster. Die Trauung mit Maria Anna fand im Wiener Stephansdom statt. Die Ehe Haydns war unglücklich: "Mein Weib war unfähig zum Kindergebären, und daher war ich auch gegen die Reize anderer Frauenzimmer weniger gleichgültig", lautet einer der wenigen Kommentare Haydns über sein Eheleben. Über Frau Haydn wissen die Biographen Griesinger und Dies nichts Gutes zu berichten: sie soll ungebildet, ohne Verständnis für ihren genialen Mann und verschwenderisch gewesen sein.