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Am 14. Mai 1780 erhielt Haydn die erste große Auszeichnung aus dem Ausland: die Philharmonische Akademie in Modena ernannte Haydn zum Ehrenmitglied. Aus verschiedenen europäischen Ländern folgten Kompositionsaufträge. Aus der spanischen Stadt Cadiz stammte zum Beispiel die Bestellung der Orchesterkomposition "Die Sieben Worte des Erlösers am Kreuze". In Frankreich wurden Haydns Werke seit 1764 laufend verbreitet. Die "Pariser Symphonien" (Nr. 82-87) sowie die "Symphonien Nr. 88-92" verdanken ihre Entstehung Claude Francois-Marie Rigoley Comte d'Ogny (1757-1790), einer der Initiatoren der "Concerts de la Loge Olympique" und einer der führenden Freimaurer Frankreichs. Haydns Beziehungen zu England begannen 1782 intensiver zu werden, als erste Versuche unternommen wurden, ihn nach London einzuladen.

Haydns äußere Erscheinung ist von vielen Beschreibungen und einer großen Anzahl von Bildern und Büsten bekannt. Er war von der Gestalt "etwas unter der mittelmäßigen Größe (...) der Blick war sprechend, feurig, aber doch mäßig, gütig, einladend" (Dies). Im täglichen Leben besaß Haydn viele angenehme Eigenschaften, wie Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Verständnis gegenüber seinen Musikern. Ein besonderer Wesenszug seines Charakters war neben seiner "arglosen Schalkheit" seine große Ordnungsliebe, die ihn sein ganzes Leben lang auszeichnete. Als Mitglied des fürstlichen Hofes erwarb sich Haydn gesellschaftliche Umgangsformen: "... ich bin mit Kaisern, Königen, und vielen großen Herren umgegangen, und habe manches Schmeichelhafte von ihnen gehört..." (Griesinger)

Im Dezember 1781 erteilte Haydn in Wien Maria Feodorowna von Rußland, der Gemahlin des Großfürsten und späteren Zaren Paul I., Musikunterricht. Die Quartette Opus 33, die kurze Zeit später gedruckt wurden, sind unter anderem dem Großfürsten gewidmet und tragen daher den Namen "Russische Quartette". Haydn übersandte Maria Feodorowna 1805 durch seinen ehemaligen Schüler Neukomm drei- und vierstimmige Gesänge, wofür er mit einem kostbaren Ring belohnt wurde.

Die Freimaurerbewegung, die während der Regierungszeit Kaiser Joseph II. (1780-1790) in den gebildeten Kreisen an Beliebtheit gewann, erweckte auch Haydns Interesse. Er wurde am 11. Februar 1785 Mitglied der Loge "Zur wahren Eintracht" – am Abend nach Haydns Aufnahme fand in der Wohnung von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) ein Privatkonzert statt. Haydn hatte erstmals Gelegenheit, die ihm von Mozart gewidmeten neuen Streichquartette zu hören.

Seit dem Jahr 1780 stand Haydn im ständigen Briefwechsel mit dem Musikverlag Artaria in Wien. Die bei Artaria erschienen Klaviersonaten, Kammermusikstücke und Lieder waren die ersten Werke, die Haydn finanziellen Gewinn brachten; insgesamt erschienen rund 250 Kompositionen in diesem Verlag, obwohl sich bereits andere Verleger um die Werke Haydns bemühten: Breitkopf & Härtel in Leipzig, Boyer in Paris, Forster in London und Torricella in Wien. Haydn machte von den neuen Geschäftsverbindungen zunehmend Gebrauch, kam jedoch in Schwierigkeiten, da er aufgrund der großen Nachfrage nach seiner Musik nicht genug Kompositionen liefern konnte. Artaria war bis 1790 der Hauptverleger Haydns, und die Kontakte blieben auch später noch bestehen.

Die 29jährige italienische Sängerin Luigia Polzelli (1750-1832) und ihr betagter Gatte Antonio, ein Violinist, wurden 1779 in den Dienst des Fürsten Esterházy aufgenommen. Schon kurz nach ihrem Engagement sollten die beiden wieder gekündigt werden, doch konnte Haydn diese Entlassung offenbar verhindern. Luigia Polzelli blieb bis zum Tode des Fürsten Nikolaus im Jahre 1790 in Eszterháza - als Geliebte Joseph Haydns, wie zahlreiche Briefe belegen. Da Luigia keine auffallend schöne Stimme hatte, gestaltete Haydn ihre Einlagearien so günstig wie möglich. Als sich Haydn in London aufhielt, starb 1791 Luigias Ehemann, und sie ging zurück nach Italien. Sie sahen sich niemals wieder. Haydn ließ ihr wiederholt finanzielle Unterstützung zukommen und kümmerte sich nach seiner Rückkehr nach Wien um ihre beiden Söhne.

Im Juni 1789 erhielt Joseph Haydn einen Brief, der das Fundament zu einer in ihrem Charakter einzigartigen Freundschaft legte. Marianne von Genzinger (1750-1793), die Frau von Fürst Nikolaus' Wiener Leibarzt, sandte ihm einen Klavierauszug, den sie von einem Andante aus einer seiner Sinfonien angefertigt hatte. Mit der Bitte um Korrekturen und der geäußerten Hoffnung, Haydn bald in Wien zu sehen, begann ein langer Briefwechsel, der uns einen Einblick in Haydns Persönlichkeit eröffnet. Die Bewunderung der 23 Jahre jüngeren, feingebildeten Frau von Genzinger bewegte Haydn dazu, ihr seine innersten Gefühle zu offenbaren und vor allem sein Bedürfnis nach Verständnis für seine Einsamkeit in Eszterháza zu äußern.

Am 28. September 1790 starb Fürst Nikolaus I. der "Prachtliebende" - mit seinem Tode ging eine Epoche musikalischer Weltgeschichte zu Ende. Fürst Paul Anton II. (1738-1794), Sohn und Nachfolger Nikolaus I., war an Musik wenig interessiert und entließ innerhalb weniger Tage das Orchester und die Sänger. Nur Haydn und der Konzertmeister Luigi Tomasini blieben als einzige formell in fürstlichen Diensten. Mit einer jährlichen Pension von 1000 Gulden ausgestattet, führte Haydn weiterhin seinen Kapellmeistertitel, obwohl er keinerlei Verpflichtungen gegenüber Fürst Paul Anton mehr hatte. Das "Märchen von Eszterháza" war zu Ende. Für Joseph Haydn hatten sich in diesen drei Jahrzehnten außergewöhnliche Möglichkeiten eröffnet. Er übersiedelte nach Wien, sollte von dort aber schon sehr bald wieder aufbrechen.