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projektinfo1791-1795 LONDON REISEN
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"Ich bin Salomon aus London und komme, Sie abzuholen; morgen werden wir einen Akkord schließen", so schilderte Haydn seinem Biographen Dies jenen entscheidenden Augenblick, der den Beginn seiner Englandreisen darstellte. Für die beträchtliche Summe von 5000 Gulden verpflichtete sich Haydn, eine italienische Oper, sechs neue Symphonien sowie 20 weitere Stücke zu komponieren und diese in Konzerten unter seiner eigenen Leitung aufzuführen. Johann Peter Salomon (1745-1815), ein berühmter Violinist und erfolgreicher Konzertmanager, benachrichtigte umgehend das englische Publikum von Haydns baldiger Ankunft. Auf Mozarts Bedenken, daß er nicht einmal Englisch spreche, erwiderte Haydn: "Meine Sprache versteht man durch die ganze Welt!" (Dies)

Am 1. Jänner 1791 betrat Joseph Haydn nach einer beschwerlichen Reise über München-Wallerstein-Bonn-Calais englischen Boden. Sieben Tage später schrieb Haydn an Marianne von Genzinger: "...meine anckunft verursachte grosses aufsehen durch die ganze stadt durch 3 Tag wurd ich in allen zeitungen herumgetragen: jederman ist begierig mich zu kennen." Großes Aufsehen erregte auch der Umstand, daß Haydn auf einem Hofball im St. James Palace vom Prinzen von Wales durch eine sichtbare Verbeugung begrüßt wurde. Die erste Konzertreihe begann am 11. März mit einem Konzert in den "Hanover Square Rooms" und wurde dann wöchentlich bis zum 3. Juni fortgesetzt. Diese Konzerte waren gesellschaftliche Ereignisse ersten Ranges und die Einladungen vornehmlich an die Aristokratie gerichtet.

In der Woche vom 23. Mai bis 1. Juni 1791 erlebte Haydn das alljährlich unter der Patronanz des Königs stattfindende "Händel-Fest" in der Westminster Abbey. Kein anderes Ereignis hat den Komponisten nachhaltiger beeindruckt, als diese gigantische Gedenkfeier, die den Höhepunkt des englischen Gesellschaftslebens darstellte. Haydn hörte zum ersten Mal unter anderem Händels Oratorien "Israel in Agypten", "Esther", "Saul" und als Krönung des Festivals den "Messias". Nach Abschluß einer überaus erfolgreichen ersten Konzertsaison wurde Haydn im Juli 1791 auf Vermittlung des Musikhistorikers Charles Burney (1726-1814) das Ehrendoktorat für Musik der Universität Oxford verliehen. Die feierliche Zeremonie dauerte drei Tage lang und fand im Sheldonian Theatre in Oxford statt.

Bis zum Beginn der nächsten Konzertserie lebte Joseph Haydn zurückgezogen und erteilte Rebecca Schroeter, einer reichen Witwe, Privatunterricht. Während seines ersten Englandaufenthaltes entwickelte sich eine enge Beziehung zwischen Haydn und seiner Schülerin. Ihre Briefe, die Haydn in sein Notizbuch übertrug, dokumentieren Rebeccas leidenschaftliche Gefühle für den großen Komponisten: "Keine Sprache kann das nur zur Hälfte ausdrücken, was ich an Liebe und Zuneigung für Sie empfinde." Haydn war oft zu Gast bei Mrs. Schroeter, die mit äußerster Fürsorge um das seelische und leibliche Wohl des Meisters besorgt war. Während seines zweiten Aufenthaltes in London wohnte Haydn ganz in der Nähe der Schroeter - und widmete ihr in späteren Jahren als Zeichen seiner Verbundenheit seine "Trios op. 73".

Bereits im August 1791 hatte Fürst Paul Anton II. Esterházy den Wunsch geäußert, Haydn möge nach Eisenstadt zurückkehren. Haydn hatte jedoch noch vertragliche Verpflichtungen zu erfüllen und verließ erst Ende Juni 1792 nach zwei erfolgreichen Konzertreihen die Britische Insel. Er reiste über Bonn, wo er den begabten, jungen Ludwig van Beethoven (1770-1827) kennenlernte, nach Wien zurück. Es wurde vereinbart, daß Beethoven zu Haydn nach Wien kommen sollte, um bei ihm Kontrapunkt und Harmonielehre zu studieren. Nach einigen Unterrichtsstunden kam es jedoch zum Bruch zwischen Lehrer und Schüler. Haydns Lieblingsschüler waren Ignaz Pleyel (1757-1831) und Sigismund Neukomm (1778-1858).

Im August 1793 unterzeichnete Haydn den Kaufvertrag für sein neues Haus in Gumpendorf bei Wien, das seine Frau bereits während seines Englandaufenthaltes ausfindig gemacht hatte. Joseph Haydn erwarb das ebenerdige Haus von dem bürgerlichen Webermeister Ignaz Weißgram und ließ es um ein Stockwerk erhöhen. Erst nach seiner zweiten Englandreise bezog er sein neues Haus und bewohnte es bis zu seinem Tode - seit März 1800 als Witwer. Bereits am 1. Juni 1840 wurde an dem Haus eine Marmortafel mit der Aufschrift "Zum Haydn" angebracht. Heute ist in diesem Haus das Wiener Haydn-Museum untergebracht.

Im Jänner 1794 reiste Haydn gemeinsam mit Johann Elßler (1769-1843), seinem Privatsekretär und Kammerdiener, zum zweiten Mal nach England. Die Konzertreihe des Frühjahrs 1794 war ein neuerlicher großer Erfolg - die "Militärsymphonie", die populärste aller seiner Symphonien zu Lebzeiten Haydns, wurde uraufgeführt. Haydn knüpfte während dieses Aufenthaltes weitere Kontakte mit englischen Verlegern. Die Liste aller Werke, die Haydn für seine beiden Londoner Aufenthalte komponiert hatte, wäre würdig, das Lebenswerk eines Komponisten darzustellen. Er schuf rund 250 Einzelwerke, darunter die Oper "Orfeo", die "12 Londoner Symphonien", über 200 Gesangsstücke und mehrere Streichquartette und Klavierwerke.

Am 1. Februar 1795 wurde Haydn die große Ehre zuteil, als einziger lebender Komponist in die Programme der "Ancient Concerts" aufgenommen zu werden. Nun fand er auch offiziell Einlaß in die Konzerte des englischen Königs Georg III. (1738-1820), dem er bei dieser Gelegenheit durch den Prinzen Georg von Wales (1762-1830) vorgestellt wurde. Im Frühjahr 1795 spielte, dirigierte und sang Joseph Haydn bei verschiedenen Gelegenheiten vor der königlichen Familie und in Konzerten, die der Prinz von Wales (ab 1820 König Georg IV.) im Carlton House veranstaltete. Der englische König und seine Gemahlin Charlotte versuchten Haydn zu überreden, länger in England zu bleiben und boten ihm eine Wohnung in Windsor an. Haydn zog jedoch zurück nach Österreich.