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Schon wenige Tage nach Haydns Abreise aus Wien im Januar 1794 war Fürst Paul Anton Esterházy gestorben. Sein Nachfolger, Nikolaus II. (1765-1833), hatte Haydn im Sommer mitgeteilt, daß er die Musikkapelle wieder aufzustellen beabsichtige, und da er Haydn weiterhin als seinen Kapellmeister betrachte, forderte er ihn auf, nach Eisenstadt zurückzukehren. Diese Nachricht hörte Haydn nicht ungern, da er unter Berücksichtigung aller Umstände nicht für immer in einem fremden Land bleiben wollte. In Österreich jedoch konnte er sicher sein, von der fürstlichen Pension und Fürsorge im Notfall unterstützt zu werden. Anfang September 1795 war Haydn, mittlerweile weltberühmt und wohlhabend, in Wien eingetroffen - und stand nun in den Diensten seines vierten Esterhazy-Fürsten, dessen Umgestaltung des Schlosses und des Parks in Eisenstadt bis heute unverändert erhalten geblieben ist.

Der vierte Esterházy-Fürst, in dessen Diensten Haydn nun stand, war ein passionierter Theaterliebhaber und Kunstsammler. Sein musikalisches Interesse beschränkte sich vor allem auf Kirchenmusik, und Haydns wichtigste Aufgabe war es daher, Messen zu komponieren. Von 1795 bis zu seinem Tod lebte Haydn in Gumpendorf bei Wien, abgesehen von den alljährlichen Sommeraufenthalten in Eisenstadt, wo er bis 1802 jeden September eine Messe für den Namenstag der Fürstin Maria Josepha Hermenegild (1768-1845) komponierte und in der Bergkirche leitete. Die Hochblüte an Haydns Chormusik ist an diesen Messen ebenso erkennbar wie an seinen späteren Oratorien.

Zu Beginn des Jahres 1797 komponierte Joseph Haydn mit "Gott erhalte Franz den Kaiser" eines seiner berühmtesten Stücke, das bis in unser Jahrhundert die österreichische Staatshymne war - und heute mit den Versen "Einigkeit und Recht und Freiheit" von Hoffmann von Fallersleben die deutsche Nationalhymne ist. Der Geburtstag des Kaisers Franz II. (1768-1835) sollte der Anlaß sein, das Lied erstmals vorzustellen. Am 12. Februar 1797 erklang diese volksliedartige einfache, klassisch schöne Melodie vor dem anwesenden Kaiserpaar im Wiener Burgtheater. Die neue Hymne war als Gegenstück zur französischen "Marseillaise" gedacht und sollte als "Volckslied" Ausdruck einer neuen patriotischen Begeisterung werden. Haydn verwendete später diese Melodie für den langsamen Variationssatz in seinem berühmten "Kaiserquartett op. 76".

"... ich war auch nie so fromm, als während der Zeit, da ich an der Schöpfung arbeitete; täglich fiel ich auf meine Knie nieder...", erzählte Haydn seinem Biographen Griesinger. Nach den monumentalen Händel-Konzerten, die Haydn in London gehört hatte, hatte er den Wunsch, ein Oratorium zu schreiben, das für alle Zuhörer ein moralisches und künstlerisches Erlebnis bedeuten sollte. Der bekannte Musikliebhaber Gottfried van Swieten (1730-1803) schrieb nach dem englischen Text von Lidley ein deutsches Textbuch. Die Uraufführung der "Schöpfung" fand am 30. April 1798 im Schwarzenberg-Palais am Neuen Markt in Wien vor einem erlesenen Publikum statt und war ein überwältigender Erfolg. Mit "Die Jahreszeiten" (Hob.XXI:3) schrieb Joseph Haydn 1801 sein letztes Oratorium.

An der Wende zum Jahre 1803 war der Zeitpunkt gekommen, an dem Haydn aufhörte zu komponieren. Auf Empfehlung seines Biographen Griesinger gab Haydn 1806 das unvollendete "Streichquartett op. 103" heraus: als zweisätziges "Lebewohl" gemeinsam mit seiner sogenannten "Visitenkarte" mit dem Text "Hin ist alle meine Kraft, alt und schwach bin ich". Am 26. Dezember 1803 trat Haydn zum letzten Mal öffentlich auf, lehnte aber Reiseeinladungen und kompositorische Aufträge aller Art entschieden ab. In seinen letzten Jahren erhielt Haydn Besuche von prominenten Persönlichkeiten und wurde als Ehrenbürger der Stadt Wien zum gefeierten, "großen alten Mann", der von vielen bedeutenden Musikgesellschaften Europas mit Ehrendiplomen, Medaillen und Mitgliedschaften ausgezeichnet wurde.

Das letzte Mal erschien Haydn in der Öffentlichkeit, als anlässlich seines 76. Geburtstages am 27. März 1808 sein Oratorium "Die Schöpfung" in der Aula der Alten Universität Wien aufgeführt wurde. Dieses feierliche Konzert ist auf einer Aquarellminiatur von Balthasar Wigand erhalten. Fürst Nikolaus II. Esterházy sandte eine Kutsche, damit der greise Haydn komfortabel von seinem Haus in Gumpendorf in die Innere Stadt reisen konnte. Als Haydn von zwei Lakaien in einem Tragsessel in den Saal getragen wurde, erklangen festliche Trompetenfanfaren. Die Anwesenden riefen "Vivat Haydn"; und sein ehemaliger Schüler Ludwig van Beethoven küsste dem Meister zur Begrüßung die Hand. Die Aufführung, an der die gesamte Wiener Oberschicht teilnahm, wurde von Antonio Salieri (1750-1825) geleitet.

Joseph Haydn starb am 31. Mai 1809 während der Belagerung Wiens durch Napoleonische Truppen friedlich in seiner Wohnung in Gumpendorf. Am 1. Juni wurde er auf dem Hundsthurmer Friedhof beerdigt, und am folgenden Tag wurde ein Requiem in der Gumpendorfer Kirche zelebriert. Zwei Wochen später hielt man in der Schottenkirche in Wien einen großen Gedenkgottesdienst ab, zu dem Wiens elegante Welt erschienen war. Haydns sterbliche Überreste sind heute in einem Mausoleum, das Fürst Paul Esterházy 1932 in der Bergkirche in Eisenstadt errichten ließ, beigesetzt.

Mit der Gründung der Burgenländischen Haydnfestspiele im Jahre 1986 bekam das Konzertwesen in Eisenstadt und in der gesamten Region einen entscheidenden Impuls. Seitdem konnte sich auf Schloss Esterházy ein kontinuierlicher Konzertbetrieb etablieren, der für die Region auf dem Gebiet der klassischen Musik die wichtigste kulturelle Infrastruktur darstellt. Die alljährlichen Internationalen Haydntage zählen zu den bekanntesten Festivals Europas und sind das Podium für die besten Haydninterpreten der Welt. Für eine umfassende Haydn-Pflege sorgten darüber hinaus das bereits 1971 gegründete Joseph-Haydn-Konservatorium des Landes Burgenland sowie die seit 1993 bestehende Internationale Haydn-Privatstiftung Eisenstadt, die eine entsprechende Ergänzung im wissenschaftlichen und musealen Bereich darstellt.